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Die unterschiedlichen Belichtungsverfahren und warum Sie global shutter in der industriellen Bildverabeitung und im ITS Bereich verwenden sollten

13. Juli 2021 durch
Die unterschiedlichen Belichtungsverfahren und warum Sie global shutter in der industriellen Bildverabeitung und im ITS Bereich verwenden sollten
Anabel Schmidt

Vergleich der Kennzeichenerkennung: Scharfes Bild mit Global Shutter vs. verzerrtes Kennzeichen durch Rolling Shutter Effekt.

Ob Kennzeichenerkennung, automatisierte Qualitätskontrolle (Quality 4.0), Überwachung von
Produktionsabläufen oder die Prüfung von Barcodes: Die Auswahl des richtigen Kamerasensors für
industrielle Bildverarbeitung stellt Machine-Vision-Anwender vor Herausforderungen. Neben der
Beachtung verschiedener Parameter, wie Sensortyp, Schnittstellen, Auflösung, Bildrate, Belichtungszeit,
Sensorgröße und Quantenwirkungsgrad spielt auch das Belichtungsverfahren (engl. Shutter) eine wichtige Rolle.

1. Sensortypen und Shutter
In seiner originären Funktion schirmt der Verschluss oder Shutter den Kamerafilm vor Licht ab und
öffnet sich bei Betätigung des Auslösers. Je nach eingestellter Belichtungszeit, erscheint das Bild dann
heller (längere Belichtungszeit) oder dunkler (kürzere Belichtungszeit).
Das gleiche Prinzip findet sich bei den heute statt Filmen gebräuchlichen CMOS- oder CCD-Sensoren.
Diese lesen Bilder auf elektronischem Weg aus, indem sie Licht (Photonen) in elektrische Signale
(Elektronen) umwandeln. Dabei setzt sich jedes Bild aus einer Vielzahl horizontaler Zeilen zusammen,
die je nach Auflösung wiederum aus einer unterschiedlichen Zahl an Pixeln bestehen.
CCD-Sensoren kommen für Anwendungen infrage, die weder hohe Bildraten (max. 30 fps) noch hohe
Auflösungen (max. 2 MP) benötigen und erreichen auch bei schlechten Lichtverhältnissen sehr gute
Bildqualität. Aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften wie langer Belichtungszeit bei dunklem Himmel,
hoher Messgenauigkeit oder hoher Datentiefe sind CCDSensoren insbesondere im wissenschaftlichen
Sektor (z.B. Astronomie, Mikroskopie) weiterhin interessant.



Sensoren mit CMOS-Technologie kommen dagegen für Anwendungen in Betracht, die hohe Auflösung
und hohe Bildraten erfordern und eignen sich daher vor allem für die industrielle Bildverarbeitung und
den ITS Bereich. Wegen ihrer niedrigen Kosten und der schnellen Auslesegeschwindigkeit haben sich
CMOS-Sensoren gegenüber CCD-Sensoren weitestgehend etabliert. Zudem überzeugen sie mit einem
geringeren Energieverbrauch, geringerer Wärmeproduktion, verbesserter Quanteneffizienz,
verbesserten Rauscheigenschaften und einem guten Preis-Leistungsverhältnis.



Die älteren CCD-Sensoren sind bauartbedingt mit Global-Shutter ausgestattet. Bei den moderneren
CMOS-Sensoren unterscheidet man nach der Art der Belichtung zwischen Rolling-Shutter- und Global
Shutter-Sensoren.
Ein Rolling-Shutter-Sensor lichtet ein Bild nicht als Ganzes ab, sondern zeitlich versetzt nach Zeilen oder
Spalten. Das Auslesen des Bildes erfolgt also nicht für alle Bild-Pixel gleichzeitig, sondern sequenziell.
Bei einem Global-Shutter-Sensor findet hingegen eine zeitgleiche Belichtung aller Pixel, also des
Gesamtbildes, statt.




2. Problem: Rolling-Shutter-Effekt
Die Unterschiede von Global-Shutter- oder Rolling- Shutter-Sensoren zeigen sich vor allem bei der
dynamischen Bildaufnahme: Während ein Global-Shutter-Sensor Bewegtbilder korrekt darstellt, da das
bewegte Motiv als Ganzes abgelichtet wird (Momentaufnahme des ganzen Bildes), kann es bei Rolling
Shutter Sensoren zu geometrischen Verzerrungen und Deformierungen kommen (sog. Rolling Shutter
Effekt).
Dieser entsteht dadurch, dass sich das bewegte Objekt während des sequenziellen Auslesens bei jeder
Zeile bereits an einer anderen Stelle auf dem Bildsensor befindet. Bei der Zusammensetzung aller Zeile
zu einem Bild, erscheint das bewegte Motiv dann krumm oder verzerrt. Bei Bildaufnahmen unter
Helligkeitsschwankungen (z.B. durch das für das menschliche Auge unsichtbare Flackern künstlicher
Lichtquellen) können außerdem dunkle und helle Streifen auf dem Bild erscheinen.
Zwar kann der Rolling-Shutter-Effekt durch schnelle Bildausleseraten, aufwändige Blitzlicht und
Fremdlichtabschattungs-Konstruktionen oder nachträgliche Bearbeitung mit entsprechenden
Programmen teilweise abgemildert werden.


Der zusätzliche Kostenaufwand überwiegt den grundsätzlichen Preisvorteil von Rolling- gegenüber
Global-Shutter-Sensoren allerdings ein und Blitzlicht- Konstruktionen führen nur in dunkler Umgebung
zu brauchbaren Ergebnissen, nicht jedoch bei Dauerlicht. 
Für Aufgaben, die eine hohe Bildgenauigkeit erfordern, ist es also sinnvoll, von vornherein Global
Shutter- Sensoren zu verwenden, um mangelhafte Ergebnisse oder nachträgliche Kosten, Probleme
und Zeitaufwand zu vermeiden.


3. Lösung in der Industrie: Global Shutter
Bei CMOS-Sensoren sollte man im industriellen Bildverarbeitungsbereich zwingend auf eine Global-
Shutter-Ausstattung achten, da aus unserer Sicht nur unter dieser Prämisse sinnvolle Qualitäts- und
Produktionskontrollen mittels Machine-Vision-Lösung denkbar sind.



Gerade unter industriellen Bedingungen (kein Tageslicht, automatisierte und schnelle
Bewegungsabläufe, vibrierende und sich bewegende Maschinen, Staub etc.) und ebenso bei der
Kennzeichenerkennung im höheren Geschwindigkeitsbereich sind Rolling-Shutter Kameras sehr
fehleranfällig und führen zu verzerrten oder unpräzisen Bildern. Der Rolling Shutter-Effekt macht sich
hier also besonders bemerkbar, erschwert die Bildauswertung oder macht sie sogar unmöglich.
Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern bietet Wahtari deshalb bei allen nCam Varianten die
Möglichkeit der Ausstattung mit Global-Shutter Sensoren. So kann unsere nCam auch bei
hochfrequenten Prozessen (z.B. Fließband-Produktion) oder hohen Geschwindigkeiten (z.B.
Verkehrsüberwachung) gestochen scharfe Bilder erzeugen, die von der integrierten KI problemlos
ausgewertet werden können.
Dabei setzt Wahtari auf die Bildsensoren der Alvium- Serie von Allied Vision. Diese beinhaltet zahlreiche
Modelle mit leistungsfähigen Bildsensoren von 0,5 bis 20.4 Megapixel Auflösung und bildet ein solides
Fundament für höchste Bildqualität. Mit Global-Shutter Sensoren von Allied Vision vertraut Wahtari
direkt auf der untersten Ebene der Bilderkennung auf starke Qualität um die Erkennungsgenauigkeitbei
der Bildauswertung trotz gleichbleibender Produktionsgeschwindigkeit zu optimieren.